Roman - in Arbeit
Szenen eines Lebens
Herausgeberin Roda Roth / emb-books and art

Die Bräuer's - Erinnerungen an eine Unternehmerfamilie aus Ebersbach in Sachsen. Mit "Birken Mond" öffnet die Tochter Eva ein Fenster, nimmt uns mit zu ihren Wurzeln, dem Damals. Memoire in Episoden, humorig und absurd, erschütternd und unfassbar. Keine Anklageschrift, keine Abrechnung - nur ein Stück wahres Leben von 1945 bis 1975 in Mitteldeutschland, den Iwan immer an der Seite und den Westen auch. Ein abenteuerlich stetiges Wandeln zwischen "Hüben" und "Drüben" - Seid bereit - Immer bereit im Sachsenland.

Die Spree fliesst nach Berlin (Band I)

Die Ziege im Birkenbaum /  Verbrannter Regen - Brieffetzen aus Dresden / Der erste Webstuhl aus Olivenöl / Tausche Wurst- gegen Marmeladenbrot / Stalin und die Genossen sind doof / Onkel Heinz ist weg / Bücher unter Hühnermist / Vater Otto ist Kapitalist / Schulapell und Zuckertüten / Mit der NSU mal kurz zu Pauline - der Bräuer-Mutter / Kartoffelfeuer unter roten Fahnen / Mutter schmuggelt, Vater zieht lachend um die Häuser / Das Geheimnis, wie man mit nur einem Ziegelstein ein ganzes Haus baut /  Mein Bruder weiß alles, dafür kann ich Bälle fangen / Unser bayerisches Dienstmädchen Hilde / Russen können Panzer, aber nicht Fahrrad fahren / Ratten und Meissner Porzellan / Onkel Max, der erste Spion in unserer Familie / Zum ersten Mal am Steuer - der alte Opel P4 / Sommer in Koserow / Bau auf nach Plan / Fabrik ist enteignet und meine '501' auch / Jetzt machen wir Krawatten / Illegal in Bella Italia / Schöne Oberlausitz - Oster- und Weihnachtsland ... und viele andere wahre Geschichten.

Eva's Familie hat sich nie angepasst, nicht vor 1945, nicht danach. Die Bräuer's haben sich durchgemogelt! Ging gut - ging nicht immer gut. Die "Zahltage" brachten alles oft an den Rand des Abgrundes. Der Onkel im Zuchthaus, die Tochter im Gulag. Flucht in den Westen und zurück. Was haben Krawatten damit zu tun und Toaster? Ich hab es aufgeschrieben!

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Die Jahre 1945 bis 1975 in drei Bänden

  1. Zwischen Ukas und Kudamm

  2. Kalter Krieg und Rock'n Roll

  3. Mit mir nicht, Genossen

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Leseprobe aus Manuskript (Sommer 1954) Auszüge Absätze

"... Hergenröder muss mir helfen. Ich pfeife unser geheimes Signal, wenn er das hört, weiss er, ich brauche ihn ganz dringend. Ich will, dass er mir das Motorrad anwirft, denn das mit dem starten kann ich nicht . Ich will zur Felsenmühle meinen Freunden zuwinken. Die werden gucken, wenn ich mit der NSU vorbeiknattere...
 
Hergenröder kommt, aber schüttelt nur den Kopf, was sagen will: Nein, ich mache das nicht. Wie immer lache ich seine Bedenken weg. Es dauert, er schaut und schaut, guckt auch wirklich niemand zu? Respekt hat er schon vor dem 'Chef', meinem Vater, aber mich, mich liebte er, kann mir einfach nichts abschlagen. Endlich startet er den Motor, ich setze mich auf die NSU, er schiebt mich an, läuft noch ein Stück neben mir mit. Ich weiss, er verdrückt sich jetzt, um nur nicht antworten zu müssen auf die unschuldige Frage von Mutti oder Vati: Haben sie Eva gesehen? ...

Schnell  von der Straße runter, bevor mich noch jemand sieht. Die laufen immer gleich zur Fabrik, gehen petzen. Mein Freund Wolfgang steht an der Brücke, unterm Arm seinen Fussball. Ich drücke auf die Hupe und winke, wie immer guckt er verdattert. Dann biege ich ab, der kleine Feldweg führt direkt zur 'Felsenmühle'.... Hier kenne ich mich aus, war oft mit meiner Ziege "Hörnchen" hier auf den Wiesen. Vielleicht sehe ich auch Rainer und die anderen an unserer Strohmiete. Mal sehen! ...
 
Nicht mehr lange zur "Felsenmühle", nur noch am Forellenbach lang und den "Schlechteberg" hoch. Ich fühle, wie Wut in mir hochkommt. Angeblich hat Mutti hier meine kleine Forelle, der ich ein zu Hause in unserer Badewanne eingerichtet hatte, ausgesetzt, angeblich, um sie zu retten. Pustekuchen, sie hat gelogen. Frau Brommer hat sie, auf Anordnung von ihr, einfach weggeschmissen. Meine Exfreundin Erika hat es gesehen und mir hämisch erzählt. Typisch, gut, dass sie nicht mehr meine beste Freundin ist, kann sich ja von ihrem neuen Vater Schokolade schenken lassen, aus dem Russen-Magazin. Er hat ihr ja verboten mit mir zu reden und zu spielen, weil ich imperialistische Nietenhosen trage. Wenn der wüsste, das sein Erikalein ganz wild auf meinen imperialistischen Kaugummi ist...

Unheimlich ist er mir schon ein bisschen, der "Forellenbach", da soll ja der "Wassermann" wohnen. Das glaube nicht nur ich,
zumindest ein bisschen, sondern auch die russische Kommandantur. Sie meinen, der "Wassermann" wäre ein Nazi, der sich dort versteckt hat.  So ein Blödsinn. Oma sagt, den gibt schon seit vielen hundert Jahren. Das habe ich auch dem Genossen Wallenski gesagt. Nächsten Tag wurde ich von der Polenka und zwei Russen von der Schule abgeholt und ins "Grüne Haus" zum Verhör gebracht...

Weiter geht's heute nicht, das Benzin muss hin und zurück reichen. Zumindest muss ich nahe an der Fabrik sein, wenn es alle ist, damit Hergenröder das Motorrad heimlich zurückschieben kann. Gänge schalten, anhalten  und Motor ausmachen, geht nicht, weiss nicht wie. Das habe ich mir von Vati noch nicht abgeguckt. Wie er das bloß macht? Ich fahre immer so lange, wie der Motor läuft, im 2. Gang." Hergenröder weiss es bestimmt, aber ich habe noch nichts aus ihm heraus bekommen, da ist er stumm wie ein Fisch! ...

Der alte Pfeifen-Wilhelm pflügt seinen Acker.  Alle nennen ihn so, ich glaube, er schläft sogar mit seiner Pfeife im Mundwinkel. Die anderen tuscheln über ihn, er soll in Russland Frau und Kinder haben. Weint Grete, seine Frau, deshalb so oft? Ob ich auch Geschwister in Leningrad habe? Vati war dort im Krieg. Wilhelm reckt mir die Faust entgegen. Ich grinse, er kann mich nicht anschwärzen, bevor der mit seinem Holzbein zu meinem Vater gehumpelt ist, bin ich schon wieder zu Hause."...
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